Was erwartest Du?

Was erwartest Du?

„Ich erwarte von Dir, dass Du Dein Zimmer aufräumst!“. Bereits als Kind werden wir mit Erwartungen konfrontiert. Doch die Frage ist, was wird von uns erwartet?

In den meisten Fällen …

… Festigen sich bestimmte Erwartungen so im Gehirn, dass unser Unterbewusstsein Dinge in Situationen hineininterpretiert und wir es nicht merken. So werden Erwartungen zu einer Art Glaubenssatz: „Es wird von mir erwartet, dass ich immer lustig bin, immer hilfsbereit und dass ich immer funktioniere“. Es geht dann meist so weit, dass wir selbst in vielen Bereichen des Lebens eine gewisse Erwartungshaltung einnehmen. Wir warten darauf, dass etwas in einer bestimmten Situation passiert.

Wir könnten auch sagen, dass ich auf etwas hoffe oder vermute, was passiert, oder was mein Gegenüber sagt oder tut. Doch wissen tun wir es erst, wenn es tatsächlich passiert. Vielleicht kann auch der eine oder andere in die Zukunft schauen oder die Gedanken lesen. Doch auch das wäre meiner Meinung nach zu beweisen.

Worauf ich hinaus will, ist mir erst letztens in einem Gespräch bewusst geworden. Ich erzählte von meinem Hund Leo. Er ist neun Jahre alt und ein Lanzarote-Straßen-Mix. Seit er bei uns ist, versucht er immer, alles richtig zu machen. Wer weiß, was der kleine Kerl alles erlebt hat. Wenn er ein Leckerli bekommt, macht er alles, was er gelernt hat: Männchen, Pfötchen geben, Rolle machen und sich im Kreis drehen.

Genau so fühlte und fühle ich mich heute auch in manchen Situationen. Früher dachte ich, ich müsse es allen recht machen. Heute frage ich mich oft: „Muss ich das? Wird von mir wirklich erwartet, dass ich perfekt bin und allen Erwartungen entspreche?“ Vielleicht ist die Erwartung an mich selbst nur so groß. Doch solange es nicht beweisbar ist und keiner etwas sagt, kann ich nur das erwarten, was ich selbst möchte.

Nun gibt es Situationen, …

… In denen Leute etwas erwarten, und das ist, wenn sie dafür bezahlen. Wenn ich zu einem Vortrag, Seminar oder einer Fortbildung gehe, dann erwarte ich, dass ich eine Leistung von dem/der Trainer*in, Seminarleiter*in oder Vortragenden bekomme. Schon ist der Druck da, der Erwartungsdruck. Was wird von mir erwartet?

Wenn ich als Trainerin, Referentin oder Dozentin vor einem Publikum stehe, zählt der erste Eindruck. Da ist auf viele Sachen zu achten, weil es ja perfekt sein soll. Je mehr ich mich darauf konzentriere, desto mehr fühle ich mich wie mein Hund Leo. Ich tue alles, um ein positives Feedback zu erhalten – also mein persönliches Leckerli.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich nicht perfekt sein muss. Ich wachse an meinen Herausforderungen und jede Kritik ist ein Feedback, aus dem ich lernen kann. Wichtig ist eine gute Vorbereitung. Wie beim Theater, kann man sich einen Proberahmen schaffen. Schritt für Schritt zum Auftritt. Für die Generalprobe suche ich mir ein vertrautes Publikum.

Was für unterschiedliche Möglichkeiten es gibt, verrate ich ein anderes Mal oder schaue mal bei Sprachmagie rein.

Besiege die Redeangst, begeistere und inspiriere andere, vertraue Deiner Intuition.

Inzwischen sage ich: „Lebe nicht, um zu erwarten. Erwarte das Leben! Jetzt!“

 

Eure Tina Böhm – martinaboehm.de

Brief von der Selbstliebe

Brief von der Selbstliebe

Hallo, ich bin´s. Die Selbstliebe. Ich bin tief in Dir drin.

Du hast mich eine Weile ignoriert. Konntest Dich nicht im Spiegel anschauen. Es fehlte Dein Glauben an mich und so wurde ich immer kleiner. Doch ich habe immer an Dich geglaubt und wollte Dich aus Deiner Selbstkritik herausholen. Doch konnte ich gegen Deinen inneren Kampf nicht ankommen.

Oft habe ich mit der Selbstkritik diskutiert, sie gebeten, Dich freizugeben. Du ließt es nicht zu. „Nobody is perfect“, habe ich Dich manchmal reden gehört. Ein Funken von Hoffnung flammte in mir auf. Dann sahst Du in den Spiegel und fingst an zu weinen. Die Selbstkritik lud den Hass ein und ich konnte nicht an Dein Herz herankommen. Dabei war es voller Liebe zu anderen. Nur an mich hast Du nicht glauben wollen.

Tiefe Wunden von außen haben wir all die Jahre überstanden. Sie haben Narben hinterlassen. So dicke Narben, dass sie liebevolle Komplimente nicht an Dich herangelassen haben. Voller Skepsis suchtest Du nach dem Haken, konntest Dein Glück, geliebt zu werden, nicht glauben. Ich habe immer daran geglaubt, dass es auch Menschen gibt, die Dich lieben, so wie Du bist.

Du stehst auch heute noch immer da, mit Deinem großen Herz voller Liebe. Wie eine Quelle sprudelt es aus Dir heraus. Ich stand am Ufer und freute mich über diesen Fluss. Doch immer, wenn ich versuchte, daraus zu trinken, wich dieser Fluss zurück. Dabei dürstete es mir so sehr.

Jetzt bist Du auf mich aufmerksam geworden und ich freue mich zutiefst. Etwas hat sich in den letzten Monaten getan. Die Selbstkritik hat sich zurückgezogen und mir den Vortritt gelassen. Du hast gelernt, annehmen zu können. Machst aus der Kritik von außen ein Feedback, aus dem Du lernst.

Ich darf jetzt auch aus der Quelle der Liebe trinken und mit Dir vor dem Spiegel stehen und über Deine Makel lachen. Ja, wir sind beide weise geworden und müssen keinem Ideal entsprechen. Inzwischen lässt Du immer mehr eine Umarmung von mir, deiner Selbstliebe, zu.

Selbstbewusster gehst Du Deinen Weg und merkst den Schmerz, den Du mir zugefügt hast, selbst kaum noch. Wir sind noch nicht am Ziel angekommen, aber wir sind auf einem guten Weg.

Weinend vor Freude dürfen wir die Narben verblassen lassen und uns annehmen, so wie wir sind. Denn auch Liebe liegt immer im Auge des Betrachters.

So betrachte Dich mit voller Selbstliebe im Spiegel und erkenne, dass Du nicht perfekt sein musst. Denn für die, die Dich lieben und dazu gehöre ich auch, für die bist Du perfekt.

Ich liebe Dich, so wie Du bist.

In herzlicher Liebe

Deine Selbstliebe

 

© Tina Böhm 2021 – martinaboehm.de