Hallo, ich bin´s. Die Selbstliebe. Ich bin tief in Dir drin.

Du hast mich eine Weile ignoriert. Konntest Dich nicht im Spiegel anschauen. Es fehlte Dein Glauben an mich und so wurde ich immer kleiner. Doch ich habe immer an Dich geglaubt und wollte Dich aus Deiner Selbstkritik herausholen. Doch konnte ich gegen Deinen inneren Kampf nicht ankommen.

Oft habe ich mit der Selbstkritik diskutiert, sie gebeten, Dich freizugeben. Du ließt es nicht zu. „Nobody is perfect“, habe ich Dich manchmal reden gehört. Ein Funken von Hoffnung flammte in mir auf. Dann sahst Du in den Spiegel und fingst an zu weinen. Die Selbstkritik lud den Hass ein und ich konnte nicht an Dein Herz herankommen. Dabei war es voller Liebe zu anderen. Nur an mich hast Du nicht glauben wollen.

Tiefe Wunden von außen haben wir all die Jahre überstanden. Sie haben Narben hinterlassen. So dicke Narben, dass sie liebevolle Komplimente nicht an Dich herangelassen haben. Voller Skepsis suchtest Du nach dem Haken, konntest Dein Glück, geliebt zu werden, nicht glauben. Ich habe immer daran geglaubt, dass es auch Menschen gibt, die Dich lieben, so wie Du bist.

Du stehst auch heute noch immer da, mit Deinem großen Herz voller Liebe. Wie eine Quelle sprudelt es aus Dir heraus. Ich stand am Ufer und freute mich über diesen Fluss. Doch immer, wenn ich versuchte, daraus zu trinken, wich dieser Fluss zurück. Dabei dürstete es mir so sehr.

Jetzt bist Du auf mich aufmerksam geworden und ich freue mich zutiefst. Etwas hat sich in den letzten Monaten getan. Die Selbstkritik hat sich zurückgezogen und mir den Vortritt gelassen. Du hast gelernt, annehmen zu können. Machst aus der Kritik von außen ein Feedback, aus dem Du lernst.

Ich darf jetzt auch aus der Quelle der Liebe trinken und mit Dir vor dem Spiegel stehen und über Deine Makel lachen. Ja, wir sind beide weise geworden und müssen keinem Ideal entsprechen. Inzwischen lässt Du immer mehr eine Umarmung von mir, deiner Selbstliebe, zu.

Selbstbewusster gehst Du Deinen Weg und merkst den Schmerz, den Du mir zugefügt hast, selbst kaum noch. Wir sind noch nicht am Ziel angekommen, aber wir sind auf einem guten Weg.

Weinend vor Freude dürfen wir die Narben verblassen lassen und uns annehmen, so wie wir sind. Denn auch Liebe liegt immer im Auge des Betrachters.

So betrachte Dich mit voller Selbstliebe im Spiegel und erkenne, dass Du nicht perfekt sein musst. Denn für die, die Dich lieben und dazu gehöre ich auch, für die bist Du perfekt.

Ich liebe Dich, so wie Du bist.

In herzlicher Liebe

Deine Selbstliebe

 

© Tina Böhm 2021 – martinaboehm.de