Es gibt keinen besseren Moment als jetzt

Es gibt keinen besseren Moment als jetzt

„… Wünschen wir Ihnen eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise Ihrer Lieben, lese ich auf der alljährlichen Weihnachtskarte einer meiner Geschäftspartner. Ich muss schmunzeln. Alle Jahre wieder kommt mir diese Floskel banal und abgedroschen vor. Dennoch trifft sie, vor allem in diesem besonderen Jahr, den Nagel auf den Kopf.

In ruhigen Momenten sinniere ich darüber, wie Weihnachten und Silvester bei mir in den letzten Jahre ausgesehen haben: Als Kind einer heutzutage längst nicht mehr unüblichen Patchwork-Familie bin ich es gewohnt, eher „Fröhliche Weihnacht überall“ anstelle von „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu zelebrieren. So darf ich mich glücklich schätzen, sehr viele Menschen um mich zu wissen, denen ich, grade zur Weihnachtszeit, meine Zeit schenken möchte. Das bedarf vor allem zweier Dinge: Guter Organisation und Kaffee. Jeder Menge Kaffee. Den Coffee-to-go-Becher fest mit der linken Hand umklammert ,fahre ich zu meiner Mutter, den diesseitigen Großeltern, anschließend zu meinem Vater, klappere meine Geschwister ab, Neffen und Nichten will ein Besuch abgestattet werden, die Schwiegereltern dürfen nicht außen vor bleiben und auch Schwager und Schwägerinnen planen ein großes Beisammensein. Dazu noch ein Treffen mit den besten Freunden, die herrlich nostalgisch einen Teil der Feiertage in „der alten Heimat“ verbringen und dazwischen fünfundvierzig Festtagsgrüße, die ich, möglichst individuell gestaltet und personalisiert, per WhatsApp an alle weiteren Freunde und Bekannte versende. Schließlich ist Weihnachten, hier wird niemand zurückgelassen.

Bei all dem Trubel klingt es mir in den Ohren: „Es ist doch schön, wenn wir alle mal wieder zusammenkommen. Das macht man ja sonst so selten.“ Schön, das ist es, keine Frage.

Dennoch bleibt eine traurige Wahrheit: Während ich versuche, all den lieben Menschen in meinem Leben (und seien wir ehrlich, dabei vor allem meinen eigenen Ansprüchen) gerecht zu werden, indem ich zwischen Adventskaffee, Weihnachtsbrunch und Raclette von A nach B hetze, verbringe ich im Grund die meiste Zeit an einem ganz anderen Ort – in meinem Auto. Einen Großteil der Strecken alleine, einige Fahrten gemeinsam mit meinem Mann und wenige Routen mit Teilen der Familie, die wir „vielleicht doch noch einsammeln müssen“. Eines aber hat jede Autofahrt gemein: Meistens auf den letzten Drücker, die Zeit mit jedem Blick in den Rückspiegel ein Stück weit näher im Nacken.

Spät abends, hinter verschlossener Haustür, bin ich zwar jedes Mal freudig, alle gesehen zu haben, vor allem aber erschöpft und müde, gedanklich bereits den Zeitplan für den Folgetag durchgehend und sehne mich nach meinem Bett. Einerseits bin ich stolz, vor Ort in lächelnde Gesichter geblickt zu haben, andererseits schwingen Sätze in mir fort wie „Musst du denn wirklich schon wieder gehen?“, oder „Vielleicht hast du ja beim nächsten Mal ein bisschen mehr Zeit … “

Taten sagen mehr als Worte. So weit so gutdenke ich, schließlich bemühe ich mich, allen zu zeigen, wie viel sie mir bedeuten, indem ich von Weihnachten bis Neujahr durch halb Deutschland kurve. Dumm nur, wenn sich rausstellt, dass die eigentliche Tat darin besteht, nie den presenten Moment mit den mir wichtigsten Menschen zu genießen, sondern gedanklich immer schon wieder den Fuß aufs Gaspedal zu setzen, um verlorene Minuten einzuholen. Wenn das Getane bedeutet, den Liebsten nicht die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie es wert sind zu erhalten und wenn der Zeitdruck keinen Raum für die wirklich bedeutsamen Worte lässt.

Weihnachten und Silvester sind dieses Jahr anders. 

Es sind nicht nur Gesetzesauflagen, die uns Corona bedingt bereits in der Vorweihnachtszeit einen Strich durch die Rechnung machen, es sind auch die Ängste unserer Mitmenschen, die ein Beisammensein erschweren. Der Zugewinn, den ich in der Vorweihnachtszeit daraus ziehe ist Zeit. In aller Ruhe verbringe ich die sonst so geschäftigen Tage damit, Plätzchen zu backen und Kekstütchen zu packen. Mit Stoffen und Textilmarkern kreiere ich persönliche Weihnachtspräsente. Außerdem genieße ich dieRuhe, Grußkarten selbst zu basteln, nahezu meditativ mit Aquarellstiften über den Karton zu streifen und die kleinen Kunstwerke abschließend, jedes für sich, zugeschnitten auf den/die Empfänger/in zu verzieren. Rechtzeitig abgeschickt finden die Geschenke ganz entspannt per Post ihren Weg zu meinen Liebsten. Im Schein des Weihnachtsbaumlichts, bei Keksen und einer Tasse Tee führe ich währenddessen die schönsten Telefongespräche mit Freunden und Familie. Wir reden darüber, wie es uns geht und was uns derzeit bewegt. Wir teilen einander mit, wie sehr wir das Beisammensein vermissen und dass wir uns gegenseitig brauchen. Dinge, für die es das erste Mal Zeit zu geben scheint.

Die Feiertage verbringe ich schließlich mit meinen Eltern. Wir sitzen gemeinsam am Esstisch, spielen in gemütlicher Runde bei Snacks und Getränken Karten, lümmeln auf der Couch und tauschen neben Geschenken Erinnerungen und Geschichten unterm Weihnachtsbaum aus. Zurück in meine vier Wände fahre ich, wenn die letzte Kerze ausgebrannt, das letzte Plätzchen gegessen und der letzte heiße Kakao getrunken ist.

Dieses Jahr lasse ich Taten sprechen, ohne dabei Worte einzubüßen.

2020 ist deutlicher denn je, wie wichtig gesunde, aufrichtige Kommunikation ist, gegenüber anderen genauso wie dir selbst. Dabei ist nicht nur von Bedeutung, was wir zueinander sagen, es geht auch darum, wie wir miteinander sprechen, darum einander Raum zu geben. Es geht darum, sich gegenseitig wahrzunehmen, dein Gegenüber zu sehen und damit zu respektieren. Zurückblicken, nichts anderes bedeutet das aus dem Latein kommende „respectare“. Und egal, wie sich das diesjährige Weihnachtsfest oder der Jahreswechsel für dich gestalten, ob du es in kleiner Runde mit Familie oder Freunden zelebrierst, ob du zweisam unterm Tannenbaum Geschenke öffnest oder ob du mit dem wichtigsten Menschen der Welt, mit dir selbst, Wunderkerzen entzündest, gib dir und deinen Mitmenschen den Raum, den ihr verdient.

 Es gibt keinen besseren Moment als jetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lockdown (Schatten der Leidenschaft)

Lockdown (Schatten der Leidenschaft)

Lockdown – ein kleines Wort, das gut und gerne als Titel einer Netflix-Produktion herhalten könnte. Augenscheinlich geht es um Regierungsbeschlüsse, das Regime, welches mehr oder minder willkürlich über Offenbleiben und Schließung von Pforten entscheidet und um Grundrechte, deren vermeintliche Beschneidung auf einer Vielzahl von Kanälen debattiert wird.

Alles Rahmenbedingungen, die reichlich Futter für postapokalyptische Szenarien bieten, wenn auch nur an der Oberfläche kratzend. Umstände, die mit all ihrer brachialen Gegenwärtigkeit dennoch eine Kulisse für viel tiefgehendere unter der äußeren Haut wabernde (Bild-)Sequenzen schaffen. Denn während die Schließung der Pforten in aller Munde ist, so ist doch die viel wichtigere Frage: Was spielt sich dahinter ab? Wie gestaltet sich das Leben hinter den Türen? Was geht in den Köpfen vor sich?

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Von den ersten wolkengedimmten Strahlen der Herbstsonne geküsst vergrabe ich mich, leichte Gänsehaut an den Beinen, noch einmal tiefer in meiner Bettdecke. Die Beziehung zu meinem Wecker ist von Ignoranz durchzogen, nichtsdestotrotz streckt er mir, wohlmöglich genau deswegen, höhnisch sein auf halb acht nahezu eingefrorenes Ziffernblatt entgegen. Diese Momentaufnahme entbehrt nicht einer gewissen Ironie, in Anbetracht der im Normalfall wiederkehrend gedrückten Snooze-Taste. So sehr ich mich im Alltäglichen über die frühen Morgenstunden ob des mir bevorstehenden Tages freue, so quälend zähle ich in meinem Kopf bereits die Stunden, die es braucht, bis ich mich halbwegs guten Gewissens mit einem viel zu kalorienlastigen Essen wieder auf der Couch einbetten kann. Witzig, normalerweise ist es andersrum. Relevant sind sonst die rar gesäten übrigen Stunden Schlaf, bevor ich in den neuen mit Aktivitäten gespickten Tag starte.

Mit müden Knochen schlurfe ich gen Küche, um den Tag mit frisch gebrühtem Kaffee zu starten. Gewisse Routinen sind es schließlich wert gepflegt zu werden. Findet meine Mutter übrigens auch. Während ich Frühstück zubereite, ruft sie mich bereits auf dem Handy an. „… Zumindest bist du schon aufgestanden. Reiß dich bitte zusammen, irgendwann arbeitest du wieder voll!“, schwingt es vorwurfsvoll aus ihrer Stimme. Ich seufze: „Mama, es ist Tag eins!“, wohlwissentlich, dass Argumente in diesem Fall wirkungslos sind. Diverse Appelle und eine Vielzahl gut gemeinter Ratschläge später räume ich schweren Schrittes den Tisch ab und überlege mir, wie ich den Tag weiter bestreite.

Ich zupfe einige Minuten unbehände an meiner Gitarre, bis der Anruf meiner Cousine mich (und die Nachbarn) von meinen dilettantischen Spielversuchen erlöst. Wir reden viel und lange. Vor allem darüber, was die „aktuelle Zeit“, wie Corona so oft sprachlich umschifft wird, mit uns macht und welche Gefühle das freisetzt. Immer wieder betonen wir, dass wir natürlich auf total hohem Niveau jammern und es uns eigentlich super geht. Gerade auch mit der freien Zeit, die man schließlich sonst nicht hat und die man jetzt richtig schön zum Runterkommen nutzen kann. Das rede ich mir auch später noch ein, während ich eine Runde Skateboard fahre, das gefühlt 25ste Essen versalze (weil ich bereits im ersten Lockdown keinen Zugang zu meinem inneren Tim Mälzer gefunden habe), während ich bei lauter Musik durch die Wohnung tanze, während ich mich davon ablenke, mir Zeilen für diesen Blogbeitrag zu überlegen, während ich Handstand an meiner Flurwand übe, während ich mich selbst davon abhalte, die Wohnung zu putzen, während ich jogge, um meine Gedanken zu ordnen und während ich überlege, was ich eigentlich alles kann. Ich denke daran, während ich mir die Frage stelle: In welche Leidenschaft könnte ich mich reinstürzen?

Die ernüchternde Wahrheit: Ich weiß es nicht. Das hat weniger mit einem angeknacksten Selbstbewusstsein oder einer verspäteten Quarterlife Crisis zu tun, als es jetzt vielleicht wirkt. Ich beobachte die Menschen in meinem Umfeld und stelle fest, wie sie in ihren Leidenschaften aufgehen. Der eine verbringt Stunden damitsich mit Musikinstrumenten auseinanderzusetzen, der nächste ist kaum vom PC wegzukriegen und tüftelt an Videoprogrammen und wieder eine andere versinkt in Bergen von Literatur oder genießt es, ihren Körper gefühlt 24/7 mit Sport zu betätigen, nur so – aus Leidenschaft. Nichts von all dem kann ich mir auf die Fahne schreiben. Meine Aufmerksamkeitsspanne bezüglich Hobbies gleicht der eines Eichhörnchens. Viel zu viel gibt es, was mich begeistert und ausprobiert werden will. Es gibt nicht DIESES EINE GROßE DING, schon gar keines, das sichtbaren Mehrwert generiert. Meine Leidenschaft ist meine Arbeit und das wiederum sind Menschen und Kommunikation, am besten aus nächster Nähe. Mit Menschen zusammen sein, darin bin ich gut. Ich kann gut Kontakte knüpfen, Menschen miteinander verbinden, bin super darin unterwegs zu sein, anderen etwas beizubringen, sie zum Lachen zu bringen oder ihnen ihre persönlichen Stärken aufzuzeigen. Das ist meine Arbeit und ja, vielleicht habe ich damit auch eine Leidenschaft und vielleicht kann ich sogar was, nur eben leider nicht allein.

„… Zumindest bist du schon aufgestanden. Reiß dich bitte zusammen, irgendwann arbeitest du wieder voll!“, erwischt mich erneut, diesmal aus meinem Hinterkopf klingend, die Stimme meiner Mutter. Wenn ich mich konzentriere, verliert der vorwurfsvolle Unterton an Intensität, mit ein bisschen Fantasie klingt daraus sogar ein wenig Motivation. Weiß ich deshalb wie ich meine Passion zu etwas im Jetzt Sinnbringendem für mich transformieren kann? Noch lange nicht. Immerhin sitze ich schon einmal hier und tippe aus all dem Gedankenwust einen Blogbeitrag. Das Kochbuch tausche ich gegen die Speisenkarte des nächstgelegenen Lieferdienstes ein, so haben wir beide was davon. Ich gehe nochmal joggen, um meine Gedanken zu ordnen. Während ich tanzend Wäsche sortiere, klingt aus meinen Kopfhörern „Systemrelevant – Ein Mini Musical von zu Hause“(Link). Im Gegensatz zu den Darstellern kann ich nicht einmal singen, aber wisst ihr was? Meine Bühne hol ich mir trotzdem zurück! Wie? Keine Ahnung. Aber bis ich es herausgefunden habe, findet ihr mich im Flur – Handstand üben.

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Lockdown – ein kleines Wort, das gut und gerne als Titel einer Netflix-Produktion herhalten könnte. Unabhängig davon was hinter verschlossenen Türen, abseits von öffentlichen Einrichtungen und Seminarräumen in den einzelnen Köpfen vor sich geht, haben all die inneren Dialoge doch eins gemeinsam: Sie alle bedeuten Kommunikation. Und die ist bekanntlich der Schlüssel zum Erfolg.

Smalltalk

Smalltalk

„Haben wir uns nicht damals bei diesem Seminar gesehen?“

Kommunikation bedeutet in Beziehung zu treten. Das ist einfach, wenn wir unser Umfeld kennen und bereits miteinander vertraut sind. Gespräche fallen uns leicht und in der Regel bedarf es keines besonderen Aufhängers, um eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Ich behaupte wir kennen das alle, Du triffst eine/n langjährige/n Freund/in nach Monaten wieder und es fühlt sich an, als sei euer letztes Treffen erst einige Tage her. Ihr kommt  schnell ins Gespräch, tauscht Erlebnisse und Begebenheiten im Wechselspiel aus, ohne dabei Notiz davon zu nehmen, wie die Zeit buchstäblich an euch vorbeizieht. So der Bestfall.

Jetzt stehen die Sterne in Sachen Begegnungen nicht immer günstig. Vielleicht kennst du das: Du gehst durch den Supermarkt oder schlenderst über den Markt. Zunächst gedankenverloren blitzt plötzlich hinter dem Regal, zwischen Chips und Vollmilchschokolade, ein dir bekanntes Gesicht auf. Jetzt heißt es schnell sein! Die nächsten Sekunden entscheiden darüber, wie dein Einkauf weiterverläuft.

Variante 1: Du senkst augenblicklich den Kopf und bückst dich vermeintlich suchend nach etwas imaginär auf den Boden gefallenen oder schenkst blitzschnell den im untenstehenden Regalfach platzierten Crackern Deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn Du Glück hast ist der Sturm, in Form der flüchtigen Bekanntschaft, in Kürze vorübergezogen und bis auf sicherstellende Blicke nach links und rechts, vor Abbiegen in den nächsten Gang, kannst du Deinen Einkauf ungestört fortsetzen.

Variante 2: Du hältst den Blick nur einmal zu lang und die Augenpaare der Dir gegenüberstehenden Person treffen Dich. Unwillkürlich nimmst Du sich hebende Mundwinkel auf der anderen Regalseite wahr und wie sich unfreiwillig auch auf Deinem Gesicht ein zögerliches Lächeln formt. Ihr hebt beide zaghaft die Hand zum Gruß und spätestens, wenn die plötzlich so erwartungsschwangeren Worte „Hey, na Du! Wie geht’s Dir?“ an Dein Ohr klingen, dann weißt Du – jetzt heißt es Smalltalk!

Anhand der eben genannten Beispiele erkennst Du vielleicht schon, dass Smalltalk nicht unbedingt als das Sahnebonbon der zwischenmenschlichen Kommunikation verschrien ist. Aber warum ist das eigentlich so und wofür ist Smalltalk sogar sehr nützlich?

Die Definition von Smalltalk ist laut deutschem Duden „leichte, beiläufige Kommunikation“. Zusätzlich findest Du in anderen Quellen dahinterstehend noch die Ergänzung „ohne Tiefgang“. Ergo kratzen wir im klassischen Smalltalk informativ an der Oberfläche. Im Grunde genommen wird nur das (Un-)Nötigste ausgetauscht. Ein kurzer Check-Up der Befindlichkeiten, „Arbeitest Du immer noch bei xy?“, „Hast Du gestern das Spiel ______ PSG 0:1 FC Bayern gesehen?“,… was man auf die Schnelle so fragt. Aber wer glaubt, das bedeutet automatisch, dass hinter dem Gespräch kein aufrichtiges Interesse steckt, der möge an dieser Stelle noch einmal in sich hineinhorchen. Welche Gründe sprechen zum Beispiel dafür ein Gespräch eher peripher zu halten? Da wäre beispielsweise die Tatsache, dass Bekanntschaften durchaus flüchtig sein können. Vielleicht habt ihr mal in derselben Straße gewohnt oder seid vor Jahren gemeinsam zur Schule gegangen. Oftmals betrifft Smalltalk Menschen, mit denen Du wahrscheinlich eine gewisse Zeit Deines Lebens geteilt hast und mit denen Dich durchaus eine gewisse Sympathie verbunden hat! Es sind Menschen, mit denen es häufig aber nicht zu mehr als der sporadischen Bekanntschaft gereicht hat. Auch dafür gab es gute Gründe. Auch im Zeitalter der privaten Offenlegung über Social Media achten wir doch darauf, welche Vorstellung von uns und vor allem wie viel wir davon nach außen vermitteln. Nicht jeder erhält schließlich ohne Weiteres den Schlüssel zu Deinen größten Geheimnissen, oder? Gleiches gilt auch im Berufsleben. Wie viel Zeit bleibt Dir beispielsweise, vorausgesetzt Du hast einen Bürojob, in der Regel zwischen dem letzten Telefonat und dem nächsten Geschäftstermin? Genau, meistens die Zeit während Du in der Firmencafeteria mit anderen Kollegen Schlange stehst oder der Inhalt des Kaffee-Vollautomaten sich in Deine Tasse ergießt. Für tiefgründige Prosa bietet sich an der Stelle nicht sonderlich viel Spielraum. Mit kurzen Plattitüden à la „Mensch, dann wollen wir mal hoffen, dass das Wetter zum Feierabend wieder besser aussieht.“ sieht das schon wieder anders aus. Magst Du Deine Kollegen deshalb weniger? Ich tippe  in den meisten Fällen lautet die Antwort „Nein“, auch wenn Ausnahmen die Regel  gerne mal bestätigen.

Und wer sagt, dass ein solches Geplänkel nicht auch der Türöffner für weitaus intensivere Wortwechsel sein kann? Schließlich sind Beziehungen zwischen Menschen wie heranwachsende zarte Pflänzchen, die gepflegt werden wollen. Nichts anderes ist Smalltalk. Also kein Pflänzchen, sondern mit Menschen in Beziehung zu treten. Und genau darum geht es, wir knüpfen Bande. Diese können Dir im Übrigen, über das reine Miteinander hinaus, sehr nützlich sein. Nicht umsonst gibt es heutzutage dafür sogar eine Berufsbezeichnung „Netzwerker“.

Was auf den ersten Blick klingt wie ein Spartenberuf aus der IT-Branche bedeutet letztlich nur, dass eine Person besonders gut darin ist andere Menschen aus gleichen, teils unterschiedlichen Branchen zusammenzubringen, so dass diese ihre Potentiale bündeln, um letztlich zu einem gemeinsamen, oftmals höheren Ziel zu gelangen, welches alleine voraussichtlich nicht umzusetzen wäre. Smalltalk gibt uns das Gefühl einander näher zu sein und unsere Mitmenschen in gewissem Maße zu kennen. Dadurch entsteht ein Stück weit Vertrautheit und seien wir mal ehrlich, mit wem arbeitest Du lieber zusammen, jemand völlig Fremden, der Dir über die Suchmaschinenfunktion angezeigt wurde oder jemandem, dem Du schon einmal auf der Grillparty eines befreundeten Geschäftskunden bei kaltem Bier und Cocktailtomaten die Hand geschüttelt hast? Wo hilfst du spontan die neue Couch ins Wohnzimmer zu manövrieren, bei Fremden von der gegenüberliegenden Straßenseite oder bei den netten neuen Nachbarn/Nachbarinnen, die sich kürzlich mit einer Einladung zur Einweihungsfeier bei Dir vorgestellt haben?

„Eine Hand wäscht die andere“ lautet das kommunikationsfreudige Unterstützer-Prinzip, aber nur wenn man sich kennt. Also ganz gleich ob in der Bäckerei um die Ecke, bei der Du morgens frische Brötchen holst oder ob Vorstandschef eines potentiellen Großkunden, schüttle metaphorisch (Corona-konform) mal wieder ein paar Hände, nutze Smalltalk als Bindeglied, interessiere Dich für Deine Mitmenschen, komm mit Ihnen ins Gespräch und finde heraus was ihnen Spaß macht oder genieß einfach die gemeinsame gedankliche Auszeit dank Geplänkel. So oder so schaffst Du Konnektivität, denn zusammen ist man bekanntlich weniger allein und gemeinsam sind wir stark!

Du bist der Durchschnitt …

Du bist der Durchschnitt …

…der fünf Menschen, mit denen Du Dich die meiste Zeit umgibst. So zumindest lesen wir es regelmäßig in Büchern oder hören es, viel zitiert, in Vorträgen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung.

Puh, bei 523 Facebook-Freunden gar nicht so einfach rauszufiltern, wer da den Rahmen bildet. Okay, da sind womöglich unsere Arbeitskollegen, denen wir täglich begegnen oder unsere Familie, die wir regelmäßig sehen, aber sind das wirklich die ausgeprägtesten Kontakte unseres alltäglichen Lebens? Sind es wirklich unsere Mitmenschen, mit denen wir den Großteil unseres Tages fristen? Also wirklich, in echt, von Angesicht zu Angesicht und in 3D? Ich behaupte nein.

Morgens, 6:00Uhr. Der Wecker klingelt. Das eindringliche Piepen aus der gegenüberliegenden Zimmerecke nötigt mich dazu, meinen Körper in die Senkrechte zu bringen und mit ersten, wenig eleganten Schritten den Tag zu beschreiten. Mit noch halb geschlossenen Augen fuchtle ich nach dem kleinen Nervtöter und drücke die Alarmtaste des Weckers bestimmt nach unten.  Zumindest war es früher so.  Heute tönt mir ein Potpourri aus zunächst sanft ansteigendem Vogelgezwitscher, übergehend zu übermotivierter Gute-Laune-Musik aus den Lautsprechern meines IPhone entgegen, Schlummertasten-Abo inklusive. Noch vor dem Zähneputzen weiß ich, was vermeintlich in den Leben meiner guten Freunde, der weniger guten Bekannten und der hochgeschätzten Z-Promi-Gesellschaft vor sich geht. Wo früher die Tageszeitung ihren Platz fand, habe ich heute die Hände frei, um durch Facebook und Instagram zu scrollen, während „Alexa“ mich auf die mir bevorstehenden Wetterverhältnisse vorbereitet und mich über das Alltagsgeschehen informiert. Jetzt noch schnell vor dem Aufbruch zur Arbeit auf der Smartwatch das zu erreichende Bewegungs-Tagesziel überblicken und schon kann der Tag starten.

Während der Autofahrt bietet es sich super an Hörbüchern oder Podcasts zu lauschen, wenn nicht grad die Lieblings-Playlist durch das Wageninnere hallt. Das Handy lädt ja glücklicherweise schon durchs Ablegen auf der Armatur, da können die Apps munter Akkuvolumen ziehen, ohne dass es mich stört. Im Zweifel stecke ich das Ladegerät noch einmal auf der Arbeit ein, denn da sitze ich glücklicherweise sowieso am Rechner und habe den vollen Überblick. Sollte ich doch mal von meinem Platz wegmüssen, gibt es inzwischen zusätzlich tragbare Telefone oder eben das Firmenhandy, das ich immer bei mir trage. Das spart zum einen Zeit und ich muss zum anderen nicht ständig durch die Etagen laufen, um mich mit jemandem zu unterhalten. Am unmissverständlichsten ist das meiste ja sowieso schriftlich geklärt. Spätestens zur Mittagspause sitzen wir dann eh zusammen. Apropos Mittagspause… kleinen Moment, ich muss kurz ins System und mein Essen für später bestellen.

Hoppla, das war knapp. Sonst hätte ich in die Küche gemusst, um mit den Damen vom Service zu sprechen. Die haben sicherlich auch besseres zu tun.

Jetzt kann ich erstmal entspannt weiterarbeiten. Vor dem Mittag noch einen Zoom-Call (Corona sei Dank, andernfalls wäre ich sicherlich zwei Stunden mit der Bahn unterwegs gewesen, um schließlich den halben Tag mit einem Dutzend weiterer Leute im Schulungsraum zu sitzen) und dann mit den Kollegen in die Pause. Im Kräutergarten, an der frischen Luft, lässt sich herrlich abschalten. Außerdem ist der Empfang dort besser, so kann ich zwischendrin die ganzen aufgeploppten Nachrichten beantworten. Wahnsinn was da jedes Mal zusammenkommt. Manchmal frage ich mich, was die Leute den ganzen Tag über machen.

Der Nachmittag vergeht weitestgehend ruhig. Insgesamt 28 Mails und 16 Anrufe später, höre ich auf meinem Fahrersitz Teil zwei der angefangenen Podcast-Folge und überlege, dass ich eigentlich noch im Supermarkt einkaufen sollte. Für heute ist mir das, glaube ich, zu viel, also fahre ich an der Abbiegung gradewegs vorbei und schlage den Weg nach Hause ein. Die Waschmaschine hatte ich per App wohlwissentlich schon vorab getimt, so muss ich mich wenigstens darum nicht mehr kümmern. Außerdem habe ich eine Benachrichtigung aufs Handy gekriegt, dass mein Paket angekommen ist, sicher verwahrt am, mit der Post ausgemachten, Ablageort. Jetzt nach der Arbeit hätte ich auch keine Lust mehr noch in der Postfiliale Schlange zu stehen und sich gegenseitig mit anderen auf die Pelle zu rücken. Früher hat der Nachbar die Pakete noch manchmal angenommen, aber bis man da zueinander gefunden hat… Außerdem ist der Tag schon lang genug und das Klingeln verpflichtet ja doch irgendwie immer zum Small Talk. Diese Zeit nutze ich jetzt und freue mich darüber die angelieferten Sachen anzuprobieren. Bis ich damit durch bin, ist sicher auch die Pizza geliefert, die ich noch schnell über den Online-Lieferdienst geordert habe. Sogar Trinkgeld kann man inzwischen per PayPal zahlen!

In Jogginghose und Wollsocken geschmissen mache ich es mir auf der Couch bequem. „Alexa, mach Netflix an.“ Wofür ich GEZ-Gebühren zahle, kann ich spätestens seit Inbetriebnahme meines SmartTVs zwar nicht mehr sagen, aber mit viel eigener Überzeugungsarbeit sehe ich es einfach als Beteiligung am großen Ganzen. Man spendet sowieso viel zu selten. Das Schöne am SmartTV ist jedenfalls, dass der Laptop jetzt sogar parallel für mich nutzbar ist, so kann ich nebenbei schonmal die Retoure für mein Paket veranlassen, alles behält man ja meistens doch nicht. Neben dem Serien gucken lässt es sich noch dazu super durch die Onlineshops scrollen. Zwischendurch tausche ich ein paar Sprachnachrichten mit Familie und Freunden aus. Man sieht sich halt auch einfach zu wenig. Na ja, zumindest sagt mir meine Smartwatch, dass ich die 10.000 Schritte mal wieder geknackt habe – Tagesziel erreicht.

So langsam werden die Augen müde und ich kann mich dazu aufraffen meinen Körper vom Sofa ins Bett zu manövrieren. „Vielleicht lasse ich zum Einschlafen noch eine Doku übers Handy laufen.“, denke ich mir und stelle den Timer.

Sind es wirklich unsere Mitmenschen, mit denen wir den Großteil unseres Tages fristen? Also wirklich, in echt, von Angesicht zu Angesicht und in 3D?

Du bist der Durchschnitt dessen, mit dem Du Dich die meiste Zeit umgibst. Du allein hast die Wahl, ob das Handy, Computer, Smart Speaker, Fernseher und Smartwatch sind, Tolkien, Kafka, Goethe, Twain und Freud oder eben Deine Liebsten.

Die Heldenreise

Die Heldenreise

Geschichten sind eine wichtige Technik, um Menschen zu begeistern. Zuhörer lauschen dem
Vortragenden noch intensiver, wenn viele Geschichten im Vortrag eingeflochten sind. Dies ist eine Struktur, wie Geschichten optimaler Weise aufgebaut sind. Gern wird diese Struktur auch als
„Heldenreise“ beschrieben. Daher kommt der Begriff „Held“ auch in der Struktur vor.

1. Der Alltag

Die Geschichte startet im Alltag, in der die Ausgangssituation der handelnden Person, des Helden
vorgestellt wird. Hier lebt der Held, geht seiner Arbeit, seinen Hobbys und seinen Bedürfnissen nach und kümmert sich um seine Familie und Freunde. Wir lernen die Hauptperson hier sehr intensiv kennen und sie wird oft als sehr einfach dargestellt. Es ist das stinknormale Leben, wie Du es vielleicht aus Deinem Umfeld kennst, dass er in der gewohnten Welt führt. Der Alltag eben. Aber, irgendetwas fehlt der Person. Die großen Abenteuer geschehen nur selten in den eigenen vier Wänden. So beginnt die Heldenreise …

2. Der Ruf der Verlockung

Ein Ereignis reißt den Helden völlig unerwartet aus seinem Alltag heraus. Die Normalität istGeschichte. Von außen kommt ein Signal, welches den Helden ruft. Es kann sich bei dem Signal um
eine Bitte handeln, um eine plötzliche Idee oder ein Schicksalsschlag. Bei unserem Helden löst ein Konflikt aus und regt zum Nachdenken an.

3. Wiederstände

Was soll unser Held nun machen? Die erste Reaktion des Helden ist zumeist Wiederstand gegen die
Veränderung. Die Gründe hierfür können vielschichtig sein. Oftmals ist es Angst, weil die Person seine gewohnte Umgebung nicht verlassen will. Zu Hause ist es doch am schönsten und vielleicht gibt es noch unerledigte Sachen zu Hause, für die er gebraucht wird und verweigert sich deswegen dem Ruf.

4. Der Mentor

Die Geschichte bringt eine neue, wichtige Person ins Spiel: den Mentor. Dieser Mentor hilft dem
Helden einerseits bei der Entscheidungsfindung für das Abenteuer und gibt ihm Wichtiges mit auf den Weg, dass dieser gut gebrauchen kann. Ob das Wissen, eine Erkenntnis oder ein materieller
Gegenstand ist, ist egal. Weitere Personen, die unserer Hauptperson helfen, tauchen in dieser Phase der Geschichte auf.

5. Der erste Schritt

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schrei nach diesem ersten Schritt beginnt die Reise. Dieser Schritt wird gern symbolisch dargestellt. Unser Held verlässt seine alte, gewohnte Welt und bricht in neue, ungeahnte Abenteuer auf.

6. Stolpersteine, Helfer und Gegner

Auf der Heldenreise liegen natürlich Stolpersteine. Diese werden durch unseren Helden weggeräumt und
dienen dazu, dass die Geschichte vorankommt. Ein Stein ist schwieriger als der nächste. Im Verlauf des Weges fühlen wir immer tiefer in die Gedankenwelt unseres Helden ein und „verbinden“ uns mit ihm. Wir erfahren seine Ängste, lernen seine Stärken und Schwächen kennen. Durch viele positive Erfahrungen wird der Held gestärkt. Außerdem trifft er auf dem Weg auf verschiedene Helfer, aber auch auf Gegner.

7. Die größte Herausforderung

Der Held kommt jetzt an den Ort der größten Herausforderung, dem entscheidenden Ort des
Abenteuers. Hier ist er nah an seiner größten Angst.

8. Die entscheidende Stelle

Wenn Du vor etwas Angst hast, gehe durch die Angst hindurch. Das passiert an dieser Stelle der Geschichte.

9. Die Erlösung

Unser Held hat seine größte Angst und seinen größten Gegner besiegt. Er hat sich seinen Ängsten
gestellt. Wie so oft im Leben ist es danach so, dass hier die Belohnung wartet und diese Belohnung sehr schön ist. Die Belohnung kann verschiedene Formen haben. Es kann sich um materielle Dinge oder um eine immaterielle Erkenntnis handeln.

10. zurück zu den Wurzeln

Es ist Zeit für den Heimweg. Die Abenteuer sind bestanden und unser Held kann sich auf der Heimreise mit der Belohnung auseinandersetzen. Was wird ihm die Belohnung bringen? Was hat es mit der Belohnung auf sich?

11. Rückschlag und die letzte Prüfung

Kurz bevor der Held sein Zuhause erreicht, muss er oft eine letzte Prüfung bestehen oder einen letzten Feind besiegen. Hier wird noch einmal Spannung aufgebaut, wenn etwa ein Gegner auftaucht, der schon als geschlagen galt.

12. Rückkehr mit der Belohnung

Unser Held kommt in seine gewohnte Umgebung zurück. Er hat sich verändert, ist ein anderer
Mensch geworden. Die Erkenntnisse aus seinen Abenteuern gibt er an andere Menschen weiter und
wird als großer Held und Heimkehrer gefeiert. Hier endet die Heldenreise. Vielleicht sucht sich der eine oder andere aber bald schon die nächste Herausforderung …

Wie sieht es in Deinem Leben aus? Hast Du schon Teile der Heldenreise in Deinem Leben bemerkt?
Schreibe uns …

Man muss ihn nicht mögen, aber…

Man muss ihn nicht mögen, aber…

er ist ehemaliger Fußball-Nationalspieler, Manager und jetziges Aufsichtsratsmitglied von Bayern München. Man kann über Uli Hoeneß sagen was man will – Durchschnittlichkeit kann man ihm nicht unterstellen.

War das schon immer so? Auf keinen Fall!
War er berühmt dafür der technisch beste Bundesligaspieler zu sein? Bei weitem nicht! Und doch sind seine Treffer im Endspiel des Europapokals 1974 noch heute in aller Munde.

Wie hat er das gemacht? Und was hat das Ganze mit NRP® zu tun?

Es gibt Menschen, die werden mit Talent geboren.
Menschen, die nonchalant Höchstleistungen aus dem Ärmel schütteln. Menschen, die Erfolge mit einem müden Lächeln abtun. Menschen, die dabei im schlimmsten Fall auch noch gut aussehen und so nett sind, dass man sie schlussendlich nicht mal unsympathisch finden kann. Du darfst aufatmen: Der Prozentsatz solcher Glückskinder fällt verschwindend gering aus.

Dann gibt es Menschen wie Uli Hoeneß. Die ackern. Menschen, bei denen morgens um fünf der Wecker klingelt. Menschen die bis sieben trainieren, um anschließend zur Schule zu gehen. Bereits mit 12 Jahren arbeitete Uli Hoeneß unermüdlich an seinem Erfolg. Später lief er die 100m in elf Sekunden – als schnellster Bundesligaspieler. Zu seiner Zeit in Ulms erster Mannschaft, mit 17, blieb der junge Hoeneß oft bis zu 60min länger auf dem Platz als seine Kollegen und feilte an seinen Schwachpunkten. Während die anderen nach dem Training unter die Dusche hüpften, sprang Uli weiter in Kopfbälle und übte Freistöße. Wenn seine Freunde im Sommer baden gingen, drehte er einsam im Stadion seine Runden. Und genau das hat sich für den ehemaligen Nationalspieler bezahlt gemacht. Die gute Nachricht: Mit seiner Intensität ist Uli Hoeneß einer von vielen. Unzählige Menschen, die heute als erfolgreich gelten, besaßen im Ursprung nur ein durchschnittliches Talent. Was unterscheidet sie von allen anderen? Die ackern. Fleiß, Willenskraft und Disziplin, die Zutaten sind uns allen bekannt. Was die Mengeneinheiten angeht – mehr ist mehr. Das gilt beim Profisport übrigens genauso wie in der Rhetorik. Am Ende des Tages haben die den entscheidenden Vorsprung, die kontinuierlich an sich arbeiten.

Jetzt fragst Du dich vielleicht, wieso Rhetorik? Schließlich kommst Du nicht ständig in die Situation vor Menschen sprechen zu müssen oder vielleicht doch? Vor Jahren veröffentlichte die Apotheken Umschau ein Ranking der größten Gesellschaftsängste. Ich darf verraten, dass die Angst vor Menschen eine Rede zu halten ziemlich hoch dabei war (Platz 1 bei den Männern, Platz 4 bei den Frauen). Egal ob privat, bei Muttis 65. oder beim Team-Meeting im Job, vor der Situation vor Menschen zu sprechen stehen wir ständig. Die meisten von uns haben sich nur daran gewöhnt ihr gekonnt aus dem Weg zu gehen. Was aber, wenn Du das passende Werkzeug an der Hand hättest, um an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, wenn Du wüsstest, wie Du dem Ball nicht nur defensiv ausweichst, sondern selbst aktiv deine/n Schlag/fertigkeit platzierst? Und was, wenn ich Dir sage, dass Du hierfür nur runterscrollen musst?

5 Tipps die dich im Reden sicherer werden lassen

  1. Bewahre Haltung! Wenn Du aufrecht stehst, kannst Du viel besser durchatmen. Dein Gehirn tankt Sauerstoff und es fällt Dir leichter zu denken.
  2. Halte Blickkontakt! Blickkontakt zu deinem Gegenüber symbolisiert Respekt. Respectare (lat.) bedeutet so viel wie zurückblicken. Wenn Du Deine Zuhörer also anschaust, vermittelst Du ihnen, dass Du sie wahrnimmst. Ihr geht in Dialog zueinander.
  3. Achte auf Deine Gestik. Unser Körper spricht Bände. Nutze Deine Gestik um Gesagtes zu unterstreichen. Möchtest Du das Gesagte negativ belegen, halte Deine Gestik klein und im unteren Bereich. Positiv Hervorzuhebendes verdeutlichst Du durch große, im oberen Körperbereich liegende Gesten. Bewegungen im Bereich der Körpermitte stehen für Neutralität.
  4. Stimme macht Stimmung. Durch bewusstes Herabsenken Deiner Stimme am Ende eines Satzes verleihst Du dem Gesagten Wirkung.
  5. Nimm Dir Zeit! Durch gezielte Pausen gibst Du Deinem Zuhörer die Chance das Gesagte zu verarbeiten und Dir selbst die Möglichkeit nachzudenken.

Damit Du nicht denkst, dass es sich hierbei um leere Versprechungen handelt: Ich schreibe aus Erfahrung. Noch vor knapp zwei Jahren trieb der Gedanke daran vor Menschen sprechen zu müssen mir Schweiß auf die Stirn. Nicht dass ich nicht kommunikativ wäre, das war ich schon immer, in früher Kindheit zum Leidwesen meiner Eltern, im Teenageralter zu dem meiner Lehrer, mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: In dem einen Fall spreche ich für andere, in dem anderen VOR anderen. Es ist leicht instinktiv zu handeln, wenn Du besagtes angeborenes Talent hast. Ist das nicht der Fall, hilft es zu wissen was Du tust, Dich und deine Präsentation bewusst wahrzunehmen und steuern zu lernen. Heute bin ich Leitung einer Schulungsabteilung. Gut vorstellbar, dass ich dafür das ein oder andere Mal vor Menschen referiert habe. Ein bisschen mehr als fünf Schritten habe ich das schon zu verdanken. Trotzdem waren die der Anfang. Und darum geht es schließlich. Fang an und beiß Dich fest! Bleib beharrlich bei der Sache. Hör nicht auf, bis Du Dein Ziel erreicht hast.

Probiere Dich aus! Du wirst sehen, wie viel sicherer Du mit jedem Versuch wirst. Wie viel stimmiger das Reden vor anderen sich für Dich anfühlt. Und wie viel entspannter Du zukünftig in Gesprächsrunden startest. Also, bleib am Ball. Denn wenn Dich eins von den anderen unterscheidet: Du ackerst.