In meinem Beruf darf ich immer wieder miterleben, wie Menschen Vorträge halten, im Unterricht Wissen vermitteln möchten, Seminare geben oder selbst als Teilnehmer*innen solchen beiwohnen.
Eines haben in der Regel alle Veranstaltungen gemeinsam: Trainer*innen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Wissensdurst der Anwesenden zu stillen. So scheint es zumindest meist auf den ersten Blick.

Ein überzeugender Auftritt ist hierbei die halbe Miete – getreu der Überschrift des Artikels. Wenn Du einen souveränen Stand mitbringst, aufrichtig Blickkontakt hältst und in einem kompetenten Stimmmuster sprichst, hast Du, behaupte ich, den Großteil Deines Publikums schon einmal auf Deiner Seite. In den meisten Fällen referierst Du über ein Thema, welches Dir vertraut ist und präsentierst Deine Inhalte selbstbewusst. Teilnehmende sehen ein Stück weit zu Dir auf und profitieren von Deinen Ausführungen, denen sie im Regelfall Glauben schenken. Als Trainer*in befindest Du Dich an dieser Stelle im sogenannten Hochstatus.

Hochstatus vs. Tiefstatus

Wo es einen Hochstatus gibt, ist in logischer Konsequenz auch ein Tiefstatus vorhanden. Ihren Ursprung hat die Status-Theorie im Improvisationstheater. Keith Johnstone bemerkte in seiner Zeit als Regisseur, dass Verhältnisse zwischen den einzelnen Rollen nur dann für die Zuschauer*innen wirklich erkennbar waren, wenn die jeweiligen Rollen den entsprechenden Status einnahmen und sich gegenseitig bedingten. So kann ein König nur als solcher im Hochstatus glänzen, wenn ihm der Tiefstatus in Form des schmutz-behafteten Bettlers gegenübersteht.

In seiner Theorie übertrug Johnstone dieses Bild auf Szenarien auf der Bühne wie auch auf Interaktionen im realen Leben. Seiner Ansicht nach ist jegliches Miteinander von Dominanz und Unterwerfung geprägt.

Was zunächst brachial klingt, findet in der heutigen Zeit häufig subtil und in Kleinigkeiten statt. Jedes Mal, wenn Du auf fremde Menschen triffst, werden die Karten neu gemischt. Erste Blicke, die Art, wie Du redest und körpersprachlich auftrittst, entscheidet sehr schnell darüber, welchen Status Du bereit bist einzunehmen.

Mit dem Hochstatus geht auch eine gewisse Macht einher und wenn ich eines gelernt habe in den vergangenen Jahren, dann dass es diesbezüglich zwei Sorten von Trainer*innen gibt:

Zwei Sorten von Trainer*innen

Da sind die einen, …

… Die um ihren Status wissen und selbigen für die Weiterentwicklung der Gruppe nutzen. Diese Trainer*innen vermitteln Inhalte, indem sie sie greifbar und für ihr Publikum verständlich machen. Wenn sie reden, dann um mit Menschen in Verbindung zu treten. Es geht darum, individuelle Wahrheiten zu kreieren und neue Möglichkeiten zu eröffnen. Solche Trainer*innen offerieren den Weg zwar, lassen ihren Coachees aber genügend Raum, selbst den Pfad zu beschreiten und sind dennoch stets zur Seite, sollte die zurate gezogene Landkarte mal wieder auf dem Kopf stehen.

Trainer*innen wie diese sind sich im Klaren darüber, dass sie Begleiter*innen sind. Sie nutzen ihre Bühne, um die Sache ins Scheinwerferlicht zu stellen, Zuschauer*innen zu Hauptakteur*innen zu machen und final (mit) dem gesamten Ensemble zu applaudieren.

Jetzt sind da noch die anderen …

… Trainer*innen. Jene, die um ihren Status wissen und selbigen für ihr Standing vor der Gruppe ausspielen. Diese Trainer*innen vermitteln Inhalte, indem sie (eigene) Regelwerke aufstellen und ihr Erleben als grundlegend verkaufen. Wenn sie reden, dann um sich selbst darzustellen. Es geht darum, eigene Wahrheiten zu übermitteln und Richtungen vorzugeben. Solche Trainer*innen offerieren den Weg zwar, lassen ihren Coachees aber keinen Raum, ihren Blick nach links oder rechts schweifen zu lassen und gehen schnellen Schrittes voran, um mit mahnendem Zeigefinger auf das Ziel hinzuweisen.

Trainer*innen wie diese sind sich am Klaren darüber, dass sie (Wort-)Führer*innen sind. Sie nutzen ihre Bühne, um sich selbst im Scheinwerferlicht zu baden, Zuschauer*innen zu Klackeur*innen zu machen und final eben diesen Applaus einzustreichen.

Die dunkle Seite der Macht

Mit Worten, Mimik und Gestik bist Du in der Lage, Deinen Mitmenschen im besten Fall Botschaften und Denkanstöße mit auf den Weg zu geben, im schlimmsten Fall Lügen und Manipulation zu sähen.

Macht, egal ob in Form von Worten oder Taten, ist so eine Sache. Egoistisch und ohne Rücksicht auf Verluste kannst Du durch den Einsatz von Macht Hierarchien untermauern, bewusst Unterschiede deutlich machen und Dein Wohlbefinden an erste Stelle setzen. Wohlwollend und mit Umsicht kannst Du durch Macht Gemeinschaft fördern, Gerechtigkeit stärken und Gutes in die Welt hinaustragen.

Ein Messer ist weder gut noch schlecht

Es ist einfach ein Messer. Du kannst damit das warme, knusprige Sonntagsbrötchen für Deine Liebsten teilen oder Dich Deiner lästigen Schwiegermutter entledigen. An dem Negativbeispiel muss ich vielleicht noch ein wenig feilen, aber ich denke Du verstehst was ich meine. Ein Messer ist einfach ein Messer. Gut oder schlecht wird es lediglich durch unsere Taten.

Genauso verhält es sich mit Macht. Macht ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach nur Macht. Du kannst damit Dein Ego befriedigen oder anderen helfen, sich zu ermächtigen. Macht ist einfach nur Macht. Gut oder schlecht wird sie lediglich durch unsere Taten.