Geht’s Dir auch manchmal so, dass Du zwar ganz viel umsetzen möchtest, aber irgendwas hindert Dich daran, loszulegen? Genauso erwische ich mich vor einem Stück Papier sitzend, mit kreisenden Gedanken, gleich einem Geier, der auf einen schwachen Moment seiner Beute wartet. Blöd nur, wenn das angepeilte Objekt der Begierde so gar keine Anstalten macht, sich seinem Schicksal zu ergeben. Wenn das altersschwache Steppenzebra zum verspielten Wildpferd mutiert und meine Aufmerksamkeitsspanne sich damit der eines Eichhörnchens nähert.

Die Tatsache, dass es sich hier mehr um einen Beitrag zum Thema NRP® (Neuro Rhetorisches Programmieren) als um afrikanische Steppengleichnisse handeln sollte, verdeutlicht mein Dilemma. Der Fakt, dass ich weiterhin überlege, ob es wirklich afrikanische Steppen sind in denen … Ich denke, Du verstehst, was ich meine.

Seit ich denken kann, schreibe ich alles auf, was mir durch den Kopf geht. Auf diese Art habe ich für mich gelernt, rotierenden Gedanken eine Form zu verleihen. Indem ich meinen Gedanken Struktur gebe, indem ich sie zähme, schaffe ich in meinem Kopf den nötigen Freiraum, um sie loszulassen, sodass sie sich entfalten können. Das klingt zunächst wirr, ist aber ungemein befreiend – womit wir wieder bei den Wildpferden wären.

Spaß beiseite: Man könnte meinen, dass mein Spleen der schriftlichen Verarbeitung von Gedanken mir auch beruflich zugute kommt. Damit Geld zu verdienen ist doch eigentlich das Beste, was mir passieren konnte, oder etwa nicht? Ich will Dir veranschaulichen, weswegen:

 

Berufliches Schreiben

In Verbindung mit einer Themenvorgabe geraten meine Gedanken ins Stocken. Neben all den ungeordneten Informationen schwirren Dinge wie eine angemessene Ausdrucksweise oder inhaltliche Richtigkeit in meinem Kopf umher. Oh, und Grammatik, besonders Grammatik und nicht, weil sie mir so besonders liegt. So viel ist klar.

Der Verstand ist schnell dabei und hinterfragt schon während des Schreibprozesses Inhalte oder überdenkt mögliche Stilmittel wie beispielsweise „Geschichte in Geschichte“ oder mögliche Ringschlüsse. Noch während des Überfliegens der bereits geschriebenen Zeilen erwische ich mich dabei, wie einzelne, vermeintlich bessere Worte durch meinen Kopf sausen und darauf drängen, den Platz des davor geschriebenen Wortes einzunehmen. Meine Finger bewegen sich fortwährend zwischen Buchstabenfeld und Löschtaste. Klick, klick, klick – klack.

Genauso verhält es sich bei Rechtschreibfehlern und womöglich falscher Interpunktion (nicht, dass ich ernsthaft versiert auf diesem Gebiet wäre). Klick, klick – klack, klack.

Sei es eine rot oder blau unterlegte Linie, die mir einen Fehler unübersehbar aufs digitale Butterbrot schmiert oder der eigene von Word nicht einmal erkannte kleine Tipp-Fehler, der mich dazu zwingt in alter Monk-Manier mit meiner Konzentration an den vergangenen Zeilen zu verharren, den blinkenden Cursor mahnend im Augenwinkel. Klack.

 

Persönliches Schreiben

Ich möchte ehrlich zu Dir sein: Meistens denke ich nicht nach. Versteh mich bitte nicht falsch, es ist nicht so, dass mich das stört. Im Gegenteil, denn genau dann, wenn ich nicht nachdenke, laufe ich zu Höchstleistungen auf! Die Finger fliegen nur so über die Tastatur. Meist hebe ich währenddessen nicht einmal den Blick, um zu überprüfen, welche Spuren mein ungestümes Tippen auf dem Keyboard auf dem weiß strahlenden Bildschirmhintergrund hinterlässt. Man, ist das manches Mal ein Kauderwelsch, was mir im Anschluss entgegenschlägt! Jackson Pollock* wäre neidisch auf die zahlreichen Farbkleckse, die die schwarze Schrift in Form von Wellen und Linien kontrastieren. So schmaddert der eine Farbe auf unberührte Leinwände und die andere Wortgulasch auf digitale Projektionsfläche.

Dabei ist es die Freiheit, Kontrolle abzugeben, loszulassen und den vermeintlich unsinnigsten Gedanken Raum zu geben, die plötzlich ungeahnte Worte und Satzbauten durch meine Finger strömen lässt.

Jetzt sollte man meinen, dass spätestens in der Nachbearbeitung Unmengen Arbeit damit verbunden sind, um das paraphrasierende Gedanken-Karussel und die durch Interpunktion geprägte Ratio übereinzubringen. Und oh, wie gern würde ich an dieser Stelle mit Fleiß und Akribie protzen. Tatsache ist aber, dass das erwartete Chaos letztlich ausbleibt. Die ein oder andere Kommasetzung hier, ein wenig Buchstabentauschen da, gepaart mit der Erkenntnis, dass die Intuition letzten Endes doch der bessere Berater zu sein scheint.

 

Intuition 1:0 Verstand

Die gute Nachricht: Ich darf mich glücklich schätzen sowohl Intuition als auch Verstand als Anteile meiner Persönlichkeit zu wissen. Es könnte also schlimmer sein.

Die schlechte Nachricht: Von Teamwork halten diese Anteile nicht all zu viel.

Also grüble ich, wie ich die ungleichen Eigenschaften zur Zusammenarbeit bewegen kann.

Da ist die kreative Seite, die frei von der Leber weg Bauchgefühl in Worte fasst und so Gedanken Wiedererkennungswert verleiht und auf der anderen Seite die Logik, die vermeintliche Wortfetzen in Reih und Glied bringt.

Dabei fällt mir auf, dass die beiden sich gar nicht so unähnlich sind. Ziel des einen wie des anderen ist es, möglichst einen verständlichen schriftlichen Mehrwert für jedermann zu schaffen. Lediglich die Herangehensweise ist unterschiedlich.

Durch NLP (Neuro Linguistisches Programmieren) habe ich gelernt, jeden meiner Anteile für sich anzuerkennen und wertzuschätzen. Wobei „jeden … für sich“ in diesem Fall das Stichwort ist. Denn was, wenn die beiden gar nicht zusammenarbeiten müssen, sondern nacheinander viel effektiver ihr Potential entfalten?

 

Musik klopft durch die Kopfhörer meines Handys an mein Trommelfell und setzt mit sanften, wiederkehrenden Bassklängen wohlige Entspannung in jeder Faser meines Körpers frei. Getragen von der Melodie fließen Bilder, Töne und Empfindungen in Form von Buchstaben auf die Seiten meines Word-Dokuments. Die Finger fliegen nur so über die Tastatur.

Mit Ausschalten meiner Playlist wechsle ich von der samtigen Couch zum Schreibtischstuhl. Gewappnet mit einer Tasse Tee konzentriere ich mich auf die geschriebenen Worte, bringe Struktur in die Buchstabensuppe und merze Flüchtigkeitsfehler aus. Zufrieden setze ich sprichwörtlich den finalen Punkt. Klick, klick – klack, klack.

*Paul Jackson Pollock (* 28. Januar 1912 in CodyWyoming; † 11. August 1956 in East HamptonNew York) war ein US-amerikanischer Maler und ein bedeutender Vertreter des abstrakten Expressionismus der New York School.